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Politisch, polemisch, respektlos: Travestie-Gala auf dem
Marktplatz
Als
Ikenna,
Marcel Bijou, Griselda und Joy Peters gegen 22 Uhr sich nach
ihrer improvisierten Zugabe zum letzten Mal vom Publikum
verabschiedeten, da brandete tosender Applaus auf dem komplett
bevölkerten Marktplatz auf. Denn mit ihrer Zugabe setzten die
vier Travestie-Stars den Schlusspunkt unter eine Show, die die
Besucher auf dem Marktplatz begeistert hatte.
Hunderte
Menschen waren gekommen, um die Premiere einer Gala der etwas
anderen Art mitzuerleben. Travestie auf dem Marktplatz - wer
gedacht hatte, dass dieses Konzept in Radevormwald nicht
aufgehen würde, der hatte sich getäuscht. Denn ein bisschen
politisch, ein bisschen polemisch und vor allem sehr
respektlos eroberte Marcel Bijou gemeinsam mit ihren
KollegInnen die Herzen des Publikums. Spitzzüngiges Kabarett,
Gesangs-Parodien und Imitationen beeindruckten die Besucher.
Allen voran Ikenna, das
"Stimmwunder aus Nigeria", der mit Interpretationen von
Whitney-Houston-Hits vergessen ließ, dass das Original
mittlerweile in der Versenkung des Showgeschäftes verschwunden
ist. Griselda von den
Phillipinen ließ mit stimmakrobatischen
Michael-Jackson-Parodien das Publikum zwischen Gelächter und
Staunen schwanken. Und als mit Joy Peters aus Österreich der
vierte Star auf die Bühne trat, war für Andrea und Francesco
aus Wipperfürth die Begeisterung komplett. "Einfach
bombastisch, was die da auf der Bühne leisten", schwärmte
Francesco - und blickte ein wenig neidisch auf die
Radevormwalder. "So eine Veranstaltung in Wipperfürth auf die
Beine zu stellen, das kriegen die bei uns bestimmt nicht hin.
Dafür ist Wipperfürth wahrscheinlich zu christlich. . "
In Radevormwald aber
traf die Travestie-Gala den Nerv der Besucher. Ob jung oder
alt, ob männlich oder weiblich - kein negatives Wort war zu
hören. Und das, obwohl Marcel Bijou "erst ein bisschen
Bedenken hatte, ob Ihr uns steinigt, wenn wir auf die Bühne
kommen". Doch seine Bedenken waren überflüssig, nachdem die
"Blues Brothers" das Publikum ab 17 Uhr aufgewärmt hatten:
"Ich fand's cool. Die Leute
ziehen mit - und dann macht das richtig Spaß", lobte Whitney
Houston alias Ikenna nach seinen Auftritten. Er weiß, wovon er
redet, stand er doch vor wenigen Wochen erst auf Gran Canaria
bei einer Fernseh-Show auf der Bühne, die weltweit über 30
Millionen Menschen gesehen haben.
Intelligenz, gepaart mit einer gehörigen Portion Humor, ist
das Erfolgsrezept von Marcel Bijou, die durch die Show führte.
"Einfach mal etwas ganz anderes - und eben nicht nur Musik,
sondern ein bunt gemischtes Programm" - das machte für das
Ehepaar Staschewski den Reiz des Abends aus. "Und dann auch
noch für einen guten Zweck, das finde ich super", lobte auch
Gabi Meisel aus Köln, die mit ihren Rader Freundinnen Astrid
Jurzitza und Petra Stöcker gemeinsam feierte.
Erlös an Aidshilfe,
Johanniter und Vereine äDenn der Erlös der komplett
gesponsorten Veranstaltung fließt zu einem großen Teil in die
Kasse der Aidshilfe sowie der Johanniter; zusätzlich werden
die Vereine, die die Bierstände bestückten, an den Einnahmen
beteiligt. Und die freuten sich daher umso mehr, dass bis tief
in die Nacht hinein auf dem Markt weiter gefeiert wurde -
friedlich und ohne Zwischenfälle. Jörg Langbein, der dank
etlicher heimischer Sponsoren die Veranstaltung in Eigenregie
organisiert hatte, zeigte sich gestern jedenfalls vollends
zufrieden: "Ich denke, die Leute hatten ihren Spaß - trotz
einiger Probleme, wegen denen wir später anfangen mussten."
Ein Kurzschluss hatte etliches Gerät lahm gelegt, sodass die
Künstler ohne Soundcheck und mit einer Stunde Verzögerung
auftreten mussten. Der Stimmung aber tat das keinen Abbruch.
"Und wer weiß, vielleicht stellen wir im nächsten Jahr ja
etwas ähnliches auf die Beine. . ."
Von Kerstin Neuser
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